Gleichgeschlechtlicher Sex ist in Indien nicht mehr strafbar. Das bahnbrechende Urteil des Obersten Gerichtshofs ist ein historischer Schritt für die Rechte lesbischer, schwuler, bisexueller, trans und intergeschlechtlicher Menschen (LGBTI) – und ein Zeichen der Hoffnung für alle, die in Indien für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung kämpfen, erklärt Amnesty International India.

«Das Urteil schliesst die Tür zu einem dunklen Kapitel der indischen Geschichte. Es markiert eine neue Ära der Gleichberechtigung für Millionen von Menschen in Indien. Der bemerkenswerte Sieg heute ist ein Meilenstein im drei Jahrzehnte andauernden Kampf der LGBTI-Gemeinschaft und ihrer Verbündeten in Indien», sagte Asmita Basu, Programmdirektorin von Amnesty International India.

Am 6. September entkriminalisierte ein Ausschuss von fünf Richtern des Obersten Gerichtshofs einvernehmlichen Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Erwachsenen. Das einstimmige Urteil bekräftigt das Recht aller Menschen auf Gleichheit, Privatsphäre, Würde und freie Meinungsäusserung unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Das Gericht fügte hinzu, dass jede Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung eine Verletzung der durch die indische Verfassung garantierten Grundrechte darstelle.

«Abschnitt 377 des indischen Strafgesetzbuches verstösst gegen grundlegende Menschenrechtsnormen in Bezug auf Gleichberechtigung, Privatsphäre und Menschenwürde. Auch nach diesem bahnbrechenden Urteil ist der Kampf für die Rechte von LGBTI noch nicht zu Ende. In Bezug auf Heirat, Adoption oder Erbschaft ist noch viel zu tun“, sagte Asmita Basu.

Abschnitt 377 des indischen Strafgesetzbuches ist ein 157 Jahre altes archaisches Gesetz, das «fleischlichen Verkehr gegen die Naturordnung» unter Strafe stellt. In den frühen 90er Jahren begannen Nichtregierungsorganisationen mit ihrem unermüdlichen Kampf zur Aufhebung des Abschnitts 377. Ein Vorstoss, gleichgeschlechtlichen Sex zu entkriminalisieren, war 2013 vom Obersten Gericht Indiens noch gestoppt worden. (ai-ch)