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Schattenbericht Rechtsextremismus, Rassismus, Homophobie. Berliner Zustände 2008 Drucken E-Mail
Donnerstag, 02. Juli 2009
Am 19. Juni 2009 erschienen: «Berliner Zustände 2008. Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie»

Bild: Neuköllner Bus: Für Demokratie und Respekt. © Theo Schneider (aus dem Schattenbericht, S.41)
Berliner Zustände 2008. Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie, darin S 22-28: 
Kreuzberg als Chiffre – Von der Auslagerung der Homophobie aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft (GLADT) Bild: Neuköllner Bus: Für Demokratie und Respekt. © Theo Schneider (aus dem Schattenbericht, S.41)

Kreuzberg als Chiffre – Von der Auslagerung der Homophobie aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft: GLADT zu Homophobie, Seite 22 bis 28 (PDF, 450 kB)

Do, 2. Juli 2009: Diskussionsveranstaltung: Homophobie und die Verzahnungen rassistischer Diskurse mit «deutschen» und auch schwulen/queeren Entlastungsdiskursen. Sie dazu GLADT-Newsletter (PDF, 150 kB). Zu www.GLADT.de

Ganzer Schattenbericht Berliner Zustände 2008. 60 Seiten (PDF, 3.2 MB)
Eben erschienen: Dokumentation zur Fachtagung Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft
MM: transgenialer CSD 2009: «Toleranz? Nein danke! Glitter ohne Grenzen» (PDF, 10 kB)
Flyer: transgenialer CSD 2009: Wir hören Toleranzgefasel, ... (PDF, 630 kB)

Mehr zum Schattenbericht
und zur Veranstaltung:


«Berliner Zustände 2008. Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie»


Bereits zum dritten Mal geben das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz) und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) die «Berliner Zustände» heraus, einen Jahresrückblick aus der Sicht von fünf Berliner Projekten und weiteren Berliner Autor/innen. Schwerpunkt sind dieses Mal die Themenkomplexe Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie, der Homophobie-Artikel (Seiten 22–28) ist von Autor/innen von GLADT verfasst. Die Publikation kann gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro pro Exemplar (plus Porto) bei GLADT bestellt oder hier heruntergeladen werden: «Berliner Zustände 2008. Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie»

«Kreuzberg als Chiffre – Von der Auslagerung der Homophobie aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft»

Gemeinsame öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Thema Homophobie und zu den Verzahnungen rassistischer Diskurse mit «deutschen» und auch schwulen/queeren Entlastungsdiskursen mit Autor/innen der Schattenbericht-Beiträge von GLADT, MBR und anderen, Siegessäule (angefragt):
Donnerstag, 2. Juli 2009, um 19:30 Uhr bei GLADT (Kluckstraße 11, 10785 Berlin)

Rassistische Zuschreibungen erfüllen in gesellschaftlichen Diskursen immer wieder die Funktion, die Verantwortung für Diskriminierung aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft auszulagern und sie z.B. ausschließlich auf männliche migrantische Jugendliche zu projezieren. Dies geschieht derzeit, wenn Homophobie ausschließlich bei “den Anderen” gesucht und gefunden wird.

GLADT e.V. beschreibt in ihrem Artikel für den Schattenbericht die Verzahnung rassistischer Diskurse mit deutschen und auch schwulen/queeren Entlastungsdiskursen. Dort wird Homphobie zu einem importierten Merkmal einer angeblich homogenen muslimischen community gemacht. Die deutsche, weiße Mehrheitsgesellschaft kann sich in Abgrenzung dazu als besonders tolerant profilieren und rassistische Ausgrenzung reproduzieren.

Die Transphobie und der Rassismus von Teilen der “schwulen” Szene wie auch die Bigotterie konservativer “deutscher” Protagonisten, die gestern die Homophobie “der Anderen” anprangerten und sich heute gegen die gesetzliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften einsetzen, werden so ausgeblendet.

Auch wenn der Ärger über homophobe Einstellungen und Gewalt legitim und die Problematisierung längst überfällig ist, so illegitim ist eine Kollektivierung und die Konstruktion eines integren Schuldigen. Im Machtgeflecht einer komplexen Gesellschaft darf Homophobie als Problem nicht aus der Mehrheitsgesellschaft ausgelagert werden und unter Umständen der Profilierung der eigenen Gruppe dienen. Auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft, die ihrer Vergangenheit und der realen Gegenwart kritisch bewusst ist, können Phänomene wie Homophobie, Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus nur als ineinander verzahnt verstanden und gemeinsam angegangen werden.

Neben den Autor/innen des Artikels, den HerausgeberInnen des Schattenberichtes und einer Vertreterin der Siegessäule als dem größten Zeitungsprojekt der schwul/lesbischen Szene Berlins (angefragt) wird mit Dr. Andres Nader der Autor des Artikels “Kritische Weißseinsforschung für die Praxis”, der ebenfalls im diesjährigen Schattenbericht erschienen ist, auf dem Podium sitzen.

Wir hoffen auf eine spannende und produktive Diskussion und hoffen auf Euer/Ihr zahlreiches Erscheinen.
Im Namen der Redaktionsgruppe der “Berliner Zustände 2008”, Ulli Jentsch und Eike Sanders

Zum Inhalt der Publikation:

Durch die kontinuierliche Arbeit der Projekte und Autor/innen eröffnen sich Einblicke in Vorgänge und Prozesse, die jenseits polizeilicher Aufgabenfelder liegen oder durch Kriterien des Verfassungsschutzes nicht erfasst werden.

Dass die Zustimmung zu einzelnen rechtsextremen Ideologieelementen tief in der Mitte der Gesellschaft verankert ist, ist ein Allgemeinplatz. Insbesondere rassistische Zuschreibungen erfüllen in gesellschaftlichen Diskursen immer wieder die Funktion, die Verantwortung für Diskriminierung aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft auszulagern, z.B. auf männliche migrantische Jugendliche. So widmet sich GLADT e.V. dem Thema Homophobie und beschreibt die Verzahnung rassistischer Diskurse mit «deutschen» und auch schwulen/queeren Entlastungsdiskursen, wenn Homophobie ausschließlich bei «den Anderen» gesucht und gefunden wird. Auch der Artikel des apabiz setzt sich mit den immer wieder unterbelichteten Themen Homophobie und Sexismus auseinander – hier beim Ring Nationaler Frauen (RNF) und bei der NPD. Deren antifeministisches Frauenbild, ihre homophoben Ausfälle und ihre eigene angeblich integre Sexualmoral sind ein wesentliches Vehikel neonazistischer «Systemkritik» geworden.

Die Opferberatungsstelle ReachOut präsentiert auch dieses Jahr die Zahlen der rechten, rassistischen und antisemitischen Gewalttaten in Berlin, bei denen rassistische Motive an erster Stelle stehen. Auch von der Polizei kann rassistische Gewalt ausgehen, wie zwei Beispiele illustrieren. Ergänzt werden die Zahlen von ReachOut durch eine Darstellung und Auswertung der Registerstelle Lichtenberg, die berichtet, wie sich ein rechtes Klima nicht nur durch gestiegene Angriffszahlen manifestiert. Den Umgang mit rassistischen Brandanschlägen in einer Nachbarschaft im Berliner Südosten beschreibt der Artikel der MBR und gibt eine Innenansicht darüber wie Rechtsextremismus im Rudow wahrgenommen wird sowie über die folgende zivilgesellschaftliche Intervention.

Eine Leerstelle füllen will der Beitrag über die Grauen Wölfe: Auch wenn sich immer mehr Menschen für dieses Thema interessieren, so finden die Aktivitäten der Grauen Wölfe für die meisten Berliner/Innen im Verborgenen statt, nicht zuletzt, weil die Betroffenen meist kurdische Migrant/innen oder türkische Linke sind. Außerdem wird die im letzten Schattenbericht angestoßene Diskussion um den vermeintlichen «Rassismus gegen Deutsche» durch einen Beitrag zur «Kritischen Weißseinsforschung» in der Praxis weitergeführt.

Beiträge:
  • Rechtsextremismus in der Nachbarschaft
    Vorwort von Prof. Dr. Richard Stöss
  • Einleitung
    von Annika Eckel (MBR), Eike Sanders und Ulli Jentsch (apabiz)
  • Eine Frage der Perspektive – Angriffe in Berlin - Ein kritischer Blick auf die Hintergründe rassistischer Taten
    von Sabine Seyb (ReachOut Berlin)
  • Dokumentieren, Archivieren, Informieren - Das Lichtenberger Register
    von Netzwerkstelle Licht-Blicke
  • Kritische Weißseinforschung für die Praxis - Konsequenzen aus der Reflexion weißer Privilegien für den Alltag
    von Andres Nader und Yasemin Yildiz
  • Kreuzberg als Chiffre. Von der Auslagerung eines Problems bei der Thematisierung homophober Gewalt.
    Von Gays and Lesbians aus der Türkei (GLADT e.V.)
  • Im Schatten der Aufmerksamkeit - die Aktivitäten der Grauen Wölfe in Berlin
    von AK Graue Wölfe/Türkischer Nationalismus
  • Nationalistische Moralapostel - Sexismus und Homophobie bei RNF und NPD
    von Ulli Jentsch und Eike Sanders (apabiz)
  • Was bleibt? - Rudow nach den rassistischen Brandanschlägen
    Von Dr. Esther Lehnert und Matthias Müller (MBR)
  • Chronik rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin 2008
    von ReachOut
  • Weiterführende Literatur
  • Adressen, Impressum.

Kreuzberg als Chiffre - Von der Auslagerung eines Problems (S.22-28)

Mit den Schwulen (und Lesben) ((und Trans-Personen)) ist „Homophobie“ als Thema im Mainstream angekommen. Ungewöhnlich oft und viel wurde 2008 in Berlin über Gewalt gegen Schwule (und Lesben) ((und Trans-Personen)) gesprochen und geschrieben. Warum dabei nur ein Ausschnitt des Phänomens im Fokus stand und welche Funktion dies erfüllte, beschreiben.
von: Yeliz Çelik, Dr. Jennifer Petzen, Ulas Yilmaz und Koray Yılmaz-Günay (GLADT e.V.)

Mut gegen Rechte Gewalt schreibt dazu: " GLADT e.V. widmet sich in der Broschüre dem Thema Homophobie und beschreibt die Verzahnung rassistischer Diskurse mit “deutschen” und auch schwulen/queeren Entlastungsdiskursen, wenn Homophobie ausschließlich bei “den Anderen” gesucht und gefunden wird. Auch der Artikel des apabiz setzt sich mit den immer wieder unterbelichteten Themen Homophobie und Sexismus auseinander – hier beim Ring Nationaler Frauen (RNF) und der NPD. Deren antifeministisches Frauenbild, ihre homophoben Ausfälle und ihre eigene angeblich integre Sexualmoral sind ein wesentliches Vehikel neonazistischer “Systemkritik” geworden. "
Vergleiche auch Medienbericht Neues Deutschland, Link ganz unten.

Fakten aus der Broschüre
  • 14 Prozent der BerlinerInnen (ab 14 Jahren) weisen rechtsextreme Einstellungen auf. Bei der letzten Befragung vor vier Jahren waren es allerdings noch 16 Prozent, die völkisch-nationalistische Auffassungen vertraten. Dennoch handelt es sich beim Rechtsextremismus um kein Randphänomen.
  • Die Opferberatungsstelle Reach Out erfasste für das Jahr 2008 insgesamt 148 rechte oder rassistische Angriffe (2007: 112). Die grösste Gruppe dabei waren 65 Angriffe aus rassistischen Motiven (2007: 39) .
  • An der Spitze mit 30 Gewalttaten lag der Bezirk Friedrichshain, 15 Angriffe wurden in Lichtenberg dokumentiert.
  • Die Diskrepanz Ost (111 Gewalttaten) gegenüber West (37) erklärt sich Reach Out mit der fehlenden Dokumentation im Westen.
  • Im Jahr 2008 wurden zehn homophobe Übergriffe verzeichnet, davon sieben in Ostberliner Bezirken und drei im Westen.
Impressum:

Berliner Zustände 2008
Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie
HerausgeberInnen: apabiz (antifaschistiches pressearchiv und bildungszentrum, www.apabiz.de) und MBR (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin, www.mbr-berlin.de)
ViSdP: C. Schulze c/o apabiz e.V., Lausitzer Str. 10, 10999 Berlin

Gestaltung: ronator, Druck: DT, Schutzgebühr: 2 Euro

Die herausgebenden Projekte werden gefördert durch das „Berliner Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ des Beauftragten für Integration und Migration des Berliner Senats (apabiz e.V. und MBR) und durch das Bundesprogramm "kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (MBR). Wir danken den Fördermitgliedern des apabiz, deren Spenden uns die Erstellung dieser Publikation ermöglicht haben, sowie der Arbeitsgruppe „Rechtsextremismus“ in ver.di Berlin-Brandenburg (Agrexive), die uns bei den Druckkosten finanziell unterstützt hat.

Medienbericht: Neues Deutschland, 26.6.2009: Homophobe Moralapostel und andere (PDF 130 kB), sowie Quelle: ND, 26.06.2009